Einführung

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich bitte Sie hiermit gleich um die Erlaubnis, Sie mit DU ansprechen zu dürfen. Vielleicht protestieren Sie jetzt, empfinden das indiskret und legen das Buch wieder weg.

Tust du es nicht (und schon bin ich beim du), bist du entweder damit einverstanden oder liest noch etwas weiter, um zu erfahren, welche Gründe ich für das DU habe.

Ein Grund ist die Vertraulichkeit des Inhaltes. Natürlich habe ich die Namen der hier erwähnten Klienten verändert. Aber ich berichte auch immer wieder von mir, von meinen eigenen Erfahrungen, meinem persönlichen Weg, meinen Verletzungen und Narben. Das geht für mich besser im Du.

Die Übungen, Praktiken und Rituale, die ich dir anbiete werden vom Unbewussten besser in der persönlichen Du-Ansprache angenommen, besonders dann, wenn es sich um Phantasiereisen in deine Kindheit handelt. In meinen Beratungen überlasse ich es jedoch immer den Klienten, wann und ob sie zum Du übergehen wollen. Das Sie hat ja zunächst auch eine Schutzfunktion, die man entweder beibehalten möchte oder irgendwann nicht mehr braucht.

Wir begeben uns gemeinsam auf eine Reise in die Tiefe. Tiefe bedeutet hier „Besuch“ bei unseren verletzten oder ungeliebten Kindern.

Diese verletzten Kinder nenne ich Schattenkinder oder auch Kellerkinder.

Mit Verletzungen meine ich nicht nur Missbrauch und andere überwältigende Geschehnisse, sondern auch das Gefühl, als Kind nicht willkommen gewesen zu sein. Oder das Gefühl der Ohnmacht, Angst und Hilflosigkeit, das wir wohl mehr oder weniger alle kennen. Oder wir sind nicht wirklich gesehen worden, uns hat niemand zugehört, niemand war da, als wir uns einsam unter die Decke verkrochen haben, niemand hat uns beschützt, als wir angeschrien oder gar geschlagen wurden. Keiner hat uns verstanden oder wirklich ernst genommen oder wir mussten zu früh Verantwortung übernehmen und uns um das Wohlergehen unserer Mutter oder unseres Vaters kümmern.

Vielleicht sind wir als Kind kompromittiert oder gedemütigt worden, haben uns zu Tode geschämt oder waren zutiefst verletzt, wenn ein Geschwister von uns offensichtlich mehr Liebe oder Zuwendung bekommen hat.